Freitag, 12. September 2014

so gesehen

oder
anders


Von oben strahlt der Herbst. Schimmert in die Rüschen der kleinen Briocheröcke, leuchtet in den Flaschen die Sonne aus - für die ich vier volle Hände Zitronen aus ihrer Haut schälte. Und dazwischen blitzt wieder einmal Grün in allen Farben hervor. Der Limoncello, (m)eine Premiere, kostet diese momentan im Dunkel aus, bevor er bald in andere Gläser und Hände fließt. Während ich fußwärts blättere. So gesehen.

Wer nippen möchte, löst die Schale von 16 Bio-Zitronen mit einem sparsam arbeitenden Schäler und übergießt diese mit einem Liter Alkohol (95%). Schirmt die Lösung bis zur nächsten Lösung ab vom Licht und wartet. Wartet, wartet, wartet. Mindestens 14 Tage, besser noch 21. Oder längerlänger. Separiert und filtert den Zitronenhohl von den entfärbten Schalenstücken und gießt (nach meinem Geschmack) mit einer aufgekochten und abgekühlten - Lösung - aus 800 Gramm Feinzucker auf einen Liter Wasser auf. Füllt flaschenweise ab und stellt diese erneut und für eine weitere Woche dunkel beiseite. Schlürft anschließend eisgekühlt in kleinen Schlückchen dem Sommer hinterher.

Ganz schön stark.
Die gehäuteten Zitronen wurden übrigens von mir ausgepresst und würfelweise eingefroren. Für einen Vorhang zum Beispiel.

Ein zarter Dauerbrenner meiner Sommerküche ist/war der Glasnudelsalat mit einer blättrigen Korianderkrone. Fünfmal bereits so gerührt - oder (ein wenig) anders. Die Lust ist nicht verloren. Im Gegenteil: Sie wird mich bestimmt auch noch durch die Neun und die Zehn an den Löffel treiben.

Zwischen zwei Gabeln kurz ausgeflogen: So schön. So gesehen - durch die Fenster der Orangerie.

Und wieder einmal den >sonntagssüßen< Tisch gedeckt. In kleiner goldener Runde, umfächert von guten Menschen. Sehr gern gesehen. 

Hallo.

Dienstag, 26. August 2014

blätter (für die küche)


ser
vier

//
papier



Es stapelt sich: neben // unter // auf // meinem Bett // Tisch // dem Fensterbrett // den Gelegenheiten. Überall verteilt sich Buch. Wirklich überall. Manchmal ziehe ich ganz unbedarft ein selten benutztes Sitzgestühl, das sich langsam und leise unter den Tisch geschoben hat, hervor, und staune - über den Turm, den ich dort einst gebaut habe. Neulich erst - deine Weihnachtskochpost, Julie! Da hatte sich das Beteblatt einfach versteckt. Apropos W: Festliche Seiten strahlen gar vorwitzig vom Bildschirmblatt, ihr habt es sicher schon bemerkt. Ja, ich weiß, es ist noch Sommer, und fern liegt mir die Monatswischerei, aber: Es ist ein schönes Buch, und gerade deshalb zeige ich es - oder trotz(t)dem. Aber dazu in der zweiten Hälfte mehr. Vorher noch ein weiteres A: zu Julie.

Die nämlich animierte mich zur Blätterei, die mir schwer willkommen ist, denn die letzte, die liegt tatsächlich schon eine kurze lange Weile zurück. Und weil zu einem guten Buch, immer auch ein netter Knick gehört, teilt sich das Küchenpapier auch diesmal wieder auf - in sieben frische Wunschbände, von denen sich sechs nun peu à peu und seitenweise auf den Markt schieben; dazu ein Quartett aromatischer Mitbewohner, das sich bereits (mit der berühmten Ausnahme!) wohlig bei mir eingeköchelt hat.

1 Home Baked von Yvette van Boven ergänzt ab Oktober die Familie aus >Home Made<, >Sommer<, >Winter<, >Mini< und >Menu<. Zunächst allerdings nur auf Niederländisch. Mir macht das nichts, denn da ist sie hier in bester Gesellschaft - und warten kann ich nicht. Denn ich bin ein bisschen verrückt - nach Yvette. Nach ihrem Witz und ihrem Stil. Ihren Fotos und ihrem Geschmack. Fontaine Uitgevers
2 Mit den Tafelspitzen legen sich kulinarische Gedichte und Geschichten auf den Tisch. Poetisch festgehalten, und historisch. Soetwas gefällt - nicht nur mir! marixverlag
3 Malin, ach, Malin. Wieder so eine gute Frau. Ich erinnere noch, wie ich mich einst in ihre Wohnung verschoss. Später dann in ihre brotbackenden Hände. In die Idee dazu sowieso. Bread Exchange - gegen Wissen und Welten, gegen Freude und Unbekanntes. Zu schön, dass jetzt endlich ein Buch daraus geworden ist. Wer (rechtzeitig) möchte, bekommt's sogar signiert. Chronicle Books
4 The Art of Simple Food - Rezepte und Glück aus dem Küchengarten von Alice Waters war ein Schönweis aus der letzten Blätterei. Eva legte mir das Buch nahe - zusammen mit einem anderen famosen KochGut. Bald nun in deutscher Sprache. Das ist mir gerne einen vetrauenden Hinweis wert. Prestel
5 Seit ich einen der prächtigen Aromapots ergattert habe (mit unfassbarem Ausverkaufsglück sogar in der geliebten Kombination aus Schwarz und Weiß!), freue ich mich noch mehr auf Einer für Alles. Und noch noch mehr seit - und wie - Katharina davon erzählt. Gekauft! Brandstätter Verlag
6 Der Wochenmarkt aus der Zeit ist nun ein Buch. Eines, das meinen Appetit weckt, und vielleicht auch deinen, Alma? Die Entdeckung lässt mich an dich denken ;) berlinVerlag
7 Der Geschmacksthesauraus ist nicht neu - neu ist nur, dass er bald als Taschenbuch erscheinen wird. Wobei >bald< relativ ist - im Februar nämlich. Da ich das Konzept eines Aromenlexikons jedoch so weckend und animierend finde, weise ich an dieser Stelle einfach schon mal darauf hin. Außerdem merke ich mehr und mehr, wie ich mich beflügelnd vom (Kochbuch)bild befreien kann, ohne dabei aromenblind zu sein. Das ist eine äußerst schöne Erfahrung. Deshalb also. Piper
8 Da sind sie nun, die (leider vergriffenen) Vanillekipferl und Wundernüsschen. Auf dem Marktplatz aber, schnappte ich soeben (!) erneut ein Exemplar des kleinen goldenen Büchleins auf. Einst verschenkt - und von der Beschenkten sehr gemocht - soll es jetzt in meine Bibliothek einziehen. Ich finde ja, es sollte mehr solcher kleinen schlichten Bände geben, in denen die Akteure so präsent von den Plätz(ch)en strahlen. Die Typo schmeckt - samt Freisteller auf Mustergrund -, die klassische Keksnote ebenso. Thorbecke

9 Orlando Goughs Recipe Journal ist ein echtes Toast-Produkt, mit Küchennotizen, die sich durch die Jahrzehnte ziehen. Charmant! Toast

10 Das Ginger Pig - Farmhouse Cook Book ist mein neuester Zugang - mit einer Zugabe. Nämlich der, dass die - zugegeben - wenigen, aber sehr ästhetischen Bilder mich sofort zum Kauf verführt haben. Es ist von Natur aus fleischlastig, hat aber auch eine schöne Gemüse- und vor allem Süß-Auslage, und ist (m)eine Empfehlung für die Sammler unter den Aromatisten. Octopus

11 Das Frühstück flog einst als Tipp von Maria zu mir - und hat sich seitdem sehr bewährt. Befruchtet meine Küche mit unaufgeregten Bildern und warmherzigen Rezepten zwischen gesundem Süß und Salzig. Verlag Freies Geistesleben

//
So.
Es ist (immer) noch Platz.
Über euren empfehlenden Geschmack freue ich mich.

Montag, 11. August 2014

aprikosenquadrat(e)

Kose
in
Pose

Mein Sommer hat mir einen neuen kulinarischen Stern geschenkt - eine Halbsonne in Tieforange, knautschig eingekuschelt auf einem Polster aus Ricotta, Mandel und Haselnuss. Es ist wahrlich kein Geheimnis (mehr), dass die Aprikose zu meinen liebsten Früchten zählt. Doch tatsächlich ist es bald einen Knödelturnus her, dass ich sie so göttlich gut verbacken habe. Zweimal in der letzten Woche schon - denn das Beste an ihr: Sie klemmt sich schnappig zwischen zwei Finger, ist das perfekte Picknickstückchen, die ideale Rastpausenration, ein Balkonliebling und wie gemacht für einen Haps ganz im Vorübergehen. Gut, auf einen Teller passt so ein Würfel natürlich auch.

Ja, und woher kommt das gute Stück? Aus dem Land der besten Kosen, dem der Franzosen. Ich verschluckte das Rezept in der >Rose Bakery< // und bei >Paris dans ma cuisine<, halbierte es für eine kleine Form (20 x 20 cm) und damit genau sechzehn Quadrate und acht aromatische Aprikosen. Buk sie einmal mit Mandeln pur und einmal in der Mandelhaselnussvariante halbhalb. Variiert, wie ihr es mögt - auf dieser Basis.

Dem Ofen einheizen: 180 Grad O/U.
Als Kältependant: Schnee schlagen. Aus drei Eiweiss mit einer Prise Salz. Das gelbe Trio (möglichst formgetreu) beiseite stellen. Es wird alsbald gebraucht.

Vorher 110 Gramm weiche Butter mit 80 Gramm Rohrohrzucker cremigst schlagen. Nun Gelb für Gelb und jeweils handmixerbequirlend die halben Eier unterrühren; den Saft einer Zitrone hinzuflößen. 125 Gramm gemahlene Mandeln (ohne Haut) - gemischt mit 50 Gramm Weizenmehl (Typ 550) - einmischen, ebenso 175 Gramm Ricotta. Nochmal kurz zu den Mandeln: Paart sie wie gezeigt sehr gerne mit der Haselnuss!). Die Schüssel hält jetzt eine recht schwere Masse bereit, die nun mit dem Eischnee vorsichtig durchlüftet wird. Das erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl, auch mal ein zartes Rütteln am Gefäß.

Den Teig anschließend in die backpapierbekleidete Form gießen, glatt streichen und mit 16 Aprikosenhälften belegen (vier Reihen à vier Kosen). Abschließend noch etwas braunen Zucker in die Fruchtmulden prisen und dann im Ofen verschwinden lassen. Für 50 Minuten plusminus bis sich ein brauner Knusperfilm entwickelt hat. Übrigens: Die Aprikosen saften kühl nach. Sollten sie also im warmen Zustand noch recht fest ausschauen, vertraut - sie werden mit der Zeit weich. Wer mag, pudert später noch >on top<. Wer nicht mag, würfelt nur. Punkten werden beide.

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Zehn sind es bei mir.
Locker mit einem Wurf!